Kennen Sie den kurzen Check, wenn Teilnehmer einer Besprechung den Raum betreten? - Montagmorgen, das übliche Teammeeting steht an. Die Teamleiterin verkabelt ihren Laptop mit dem Beamer. Dieses Mal will sie die Dinge beim Namen nennen. Das Team soll erkennen, dass die Zahlen nicht stimmen. Jetzt geht es darum, gemeinsam nach Lösungen zu suchen. Deshalb hat die Teamleiterin eine Präsentation ausgearbeitet.
Die erste Folie mit der Agenda ist bereits zu sehen, als die Kollegen den Raum betreten. Der Check erfolgt unmittelbar: Beamer aktiviert? Noch bevor die Teammitglieder Platz genommen haben, ist allen klar, dass es erst einmal nichts zu tun gilt. Frontalbeschallung durch die Leiterin, keine Aktivität erforderlich.
Ähnliches lässt sich auch bei Vortragsveranstaltungen oder Schulungen beobachten. Bevor die Teilnehmer ihren Platz einnehmen, scannen sie kurz den Raum. Falls ein Beamer zu sehen ist, erscheint alles wie gewohnt. Entwarnung für alle Anwesenden, es gibt nicht zu tun.
Verzicht auf betreutes Lesen
Wie kein anderes Medium signalisiert der Beamer, dass die gebotene Kommunikation bereits fix ist. Fix und fertig. Das sagt zumindest die Erfahrung vieler Zuhörer. Immer dann, wenn ein Beamer verwendet wird, ist der Ablauf vorhersehbar: Folien werden durch den Vortragenden vertont. Keine wirkliche Dramaturgie, sondern „betreutes Lesen“. Auch sind die Fragen durch den Vortragenden nicht wirklich ernst zu nehmen, weil bereits auf der nächsten Folie eine Antwort zu finden ist. Der Beamer bietet damit die Lizenz zum Zurücklehnen.
Was machen Sie also, wenn Ihnen an der Aktivität Ihrer Zuhörer wirklich gelegen ist? Wenn Sie die Mitarbeit Ihrer Zuhörer motivieren wollen? Antwort: Sie starten Ihre Präsentation ohne Beamer oder noch besser, Sie wechseln das Medium.
Die Teamleiterin im obigen Beispiel hat die Möglichkeit, ihre Kollegen direkt anzusprechen. Gleich im Einstieg könnte sie eine problematische Situation schildern, um dadurch Fragen zu provozieren und das Team zum Mitdenken anzuregen. Die Folien bleiben vorerst im Hintergrund werden erst gezeigt, wenn sie zur Klärung beitragen. Zum Beispiel dann, wenn Zahlen bestimmte Aussagen belegen oder komplexe Zusammenhänge über Grafiken anschaulich werden.
Dialogisches Medium nutzen
Einen deutlicheren Schritt in Richtung Aktivierung gehen Sie allerdings, wenn Sie auf den Beamer gänzlich verzichten. Wenn Ihnen an einem Dialog mit den Zuhörern gelegen ist, benötigen Sie ein dialogisches Medium. Das Flipchart etwa ist ein dialogisches Medium. Seine leeren Seiten stehen für eine Einladung zur Aktivität. Das Flipchart ist nichts anderes als ein großer Notizblock auf einem Stativ. Nichts ist bereits fix und fertig.
Die Vorteile des Flipcharts können Sie sich leicht zunutze machen. Es ist einfach zu bedienen und erhebt keinen Anspruch auf Perfektion. Vielmehr zeigt es seine Stärke im spontanen Einsatz. Besonders gut ist es geeignet, um Fragen als Impulse zu bieten oder Beiträge der Zuhörer festzuhalten. Im Handumdrehen können Sie kleine Skizzen zur Erklärung anfertigen. Sie werden feststellen, dass Ihre Erklärungen besser ankommen, weil die Zuhörer besser mitkommen. Im Übrigen lässt eine Flipcharterklärung mehr Zeit für Fragen, so dass auch Dialoge leichter in Gang kommen. Immer wird die Vermittlung durch den Dialog bestimmt, die Zuhörer steuern aktiv den weiteren Verlauf Ihrer Präsentation.
Wenn immer Ihnen an einem Dialog mit Ihren Zuhörern gelegen ist, starten Sie besser mit einem dialogischen Medium. Das Flipchart eignet sich besonders, weil es technikunabhängig und einfach zu bedienen ist. Mit ein wenig Übung, bunten Stiften und Kreiden können Ihre klar hervorheben. Für die Details nutzen Sie ein Handout (one-page)!