Bloß kein Fastfood!
Fast hätte ich laut „Bitte nicht!“ gerufen.
Völlig daneben. Im letzten Moment konnte ich mich gerade noch bremsen. Schließlich ging es nicht um mich – sondern um meinen Coachee.
Was war passiert?
Ich hatte ihn zu einer Kundenveranstaltung begleitet. Mein Auftrag: ihn aus der Perspektive des Publikums zu beobachten.
„Seien Sie ruhig kritisch“, hatte er mir kurz vor seinem Auftritt noch mitgegeben.
Das habe ich ernst genommen.
Die Veranstaltung selbst war beeindruckend.
Organisation, Atmosphäre, Publikum – alles stimmte. Die Gäste wirkten interessiert, aufmerksam, gut abgeholt. Und dann dieses Buffet: opulent, hochwertig, liebevoll angerichtet. Hier waren eindeutig Profis am Werk.
Ganz anders die Präsentation meines Coachees.
Sie wirkte wie Fastfood.
Über Copy-Paste-Präsentationen habe ich an anderer Stelle bereits geschrieben.
Hier geht es um etwas anderes: um die Tonspur. Genauer gesagt – um Floskeln.
Von der Stange
Standardformulierungen können hilfreich sein, vor allem am Anfang. In angespannten Momenten gehen vertraute Sätze leichter über die Lippen.
Doch genau darin liegt das Problem:
Wer professionell wirken möchte, kann nicht gleichzeitig auf Formulierungen „von der Stange“ setzen.
Warum?
Zum einen steht Professionalität für Souveränität und Klarheit im Ausdruck. Floskeln wirken dagegen oft wie unreflektiert übernommen – ein Zeichen von Unsicherheit oder mangelnder Vorbereitung.
Zum anderen hören sich solche Phrasen für das Publikum schnell beliebig an.
Nicht individuell. Nicht wertschätzend.
Eben: Fastfood.
Besser nicht!
Wenn Sie typische Floskeln einmal bewusst wahrnehmen, können Sie sie gezielt vermeiden – oder durch bessere Alternativen ersetzen.
1. „Ich freue mich, dass Sie so zahlreich erschienen sind …“
Ein Klassiker. Und genau deshalb wenig originell.
Zeigen Sie Ihre Freude lieber, statt sie auszusprechen: durch Blickkontakt, Präsenz und ein echtes Lächeln.
2. „Darf ich mich zunächst vorstellen …?“
Natürlich wollen Ihre Zuhörer wissen, wer Sie sind.
Doch statt Lebenslauf und Position aufzuzählen, verbinden Sie sich direkt mit Ihrem Thema. Erzählen Sie eine Erfahrung oder einen Gedanken, der Ihre Kompetenz greifbar macht.
3. „Danke für Ihre Aufmerksamkeit …“
Diese Floskel wirkt oft wie ein automatischer Abschluss.
Stärker ist ein klarer Schlusspunkt: eine prägnante Zusammenfassung, eine Botschaft oder ein Appell, der hängen bleibt.
4. „Gibt es noch Fragen?“
Das klingt schnell wie eine Pflichtübung.
Formulieren Sie stattdessen eine echte Einladung:
„Ich bin gespannt auf Ihre Fragen – was möchten Sie vertiefen?“
5. „Das ist eine gute Frage!“
Damit bewerten Sie Ihre Zuhörer – bewusst oder unbewusst.
Und was ist mit den „weniger guten“ Fragen?
Begegnen Sie jeder Frage auf Augenhöhe, ohne sie einzuordnen.
Kennen Sie noch mehr solcher Floskeln?
Schon wenn Sie diese fünf vermeiden, wirkt Ihre Präsentation klarer, professioneller und lebendiger.
Sie zeigen: Hier gibt es mehr als Standardkost.
Vermeiden Sie Fastfood – auch auf der Tonspur.
Ihre Zuhörer haben mehr verdient als routinierte Phrasen.
Finden Sie stattdessen Worte, die zur Situation passen und Ihre Zuhörer wirklich ansprechen.
Ein kleiner Stichwortzettel kann helfen, bewusst aus alten Mustern auszubrechen.